Das European Payments Initiative: Europas Antwort auf PayPal und Co.

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Das European Payments Initiative: Europas Antwort auf PayPal und Co.
Wenn europäische Banken ein eigenes Zahlungssystem bauen, klingt das nach einem Mammutprojekt. Genau das ist es auch. Das European Payments Initiative — kurz EPI — ist der Versuch, die europäische Zahlungsinfrastruktur von amerikanischen Anbietern unabhängig zu machen. Wero, das Produkt des EPI, hat bereits 43,5 Millionen Nutzer in Europa registriert. Oliver Maier von Verivox bringt das Ziel auf den Punkt: Ein eigenes europäisches Bezahlverfahren wäre ein großer Fortschritt und würde Europa unabhängiger machen.
Für Sportwetten-Kunden in Deutschland klingt das zunächst abstrakt. Was hat ein europäisches Zahlungsprojekt mit meiner nächsten Einzahlung beim Wettanbieter zu tun? Die Antwort: alles. Denn wenn das EPI Erfolg hat, ändert sich die Art, wie du bei Sportwetten einzahlst und auszahlst, grundlegend.
Entstehung und Ziele des EPI
Das EPI wurde gegründet, weil europäische Banken ein Problem erkannten: PayPal, Visa und Mastercard — allesamt amerikanische Unternehmen — dominieren den europäischen Online-Zahlungsverkehr. Europäische Banken, die Milliarden an Kundenkonten verwalten, spielen im digitalen Zahlungsverkehr nur eine Nebenrolle. Das EPI soll diese Abhängigkeit beenden.
Die Gründungsidee: Ein einheitliches Zahlungssystem, das in allen Euro-Ländern funktioniert — online, offline, mobil, grenzüberschreitend. Kein nationales Inselprojekt wie Giropay, sondern ein paneuropäischer Standard. Getragen von den größten Bankengruppen Europas, darunter die deutschen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und Privatbanken.
61 % der Deutschen sind skeptisch, ob Wero tatsächlich mit PayPal konkurrieren kann. Diese Skepsis ist verständlich — das Scheitern von Giropay mit unter 1 % Marktanteil ist noch frisch in Erinnerung. Aber das EPI hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist kein deutsches Soloprojekt, sondern eine europäische Initiative mit Rückendeckung von Regulierern und Zentralbanken.
Warum das EPI für Sportwetten-Kunden relevant ist
37,3 % der deutschen Verbraucher nutzen bereits „Pay by Bank“-Methoden mindestens einmal im Monat. Diese Zahl wird steigen, wenn Wero als Banking-App-integrierte Lösung an Verbreitung gewinnt. Für Sportwetten-Kunden sind drei Aspekte des EPI besonders relevant.
Erstens: Ein- und Auszahlungen über einen Kanal. Was Giropay nie konnte — Gewinne zurück aufs Girokonto —, soll Wero von Anfang an unterstützen. Für Sportwetten-Spieler wäre das der größte praktische Fortschritt seit der Einführung von PayPal im Wettbereich.
Zweitens: Echtzeitzahlungen rund um die Uhr. Wero basiert auf der SEPA-Instant-Payment-Infrastruktur — Zahlungen werden in unter zehn Sekunden verarbeitet, 365 Tage im Jahr. Keine Bankarbeitstage, keine Cut-off-Zeiten. Für Live-Wetten am Sonntagabend genauso verfügbar wie für eine geplante Einzahlung am Montagmorgen.
Drittens: Biometrische Authentifizierung. Statt TAN-Eingabe auf einer externen Website bietet Wero die Bestätigung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung direkt in der Banking-App. Schneller und sicherer als das Giropay-Modell mit Browser-Redirect und manuellem TAN-Verfahren.
Ein vierter Aspekt, der oft übersehen wird: Die Gebührenstruktur. Als System der europäischen Banken fallen bei Wero keine Interchange-Gebühren wie bei Kreditkarten an. Für Wettanbieter könnte Wero die günstigste Zahlungsmethode werden — günstiger als Kreditkarten, vergleichbar mit Trustly. Niedrigere Transaktionskosten bedeuten indirekt bessere Konditionen für den Spieler.
Fünftens: Identitätsverifikation. Wero könnte ähnlich wie das frühere Giropay ID eine automatische KYC-Prüfung über die Bank ermöglichen. Für den regulierten Sportwetten-Markt mit seinen strengen Identitätspflichten wäre das ein enormer Vorteil — keine Dokumentenuploads, keine Wartezeiten, Verifizierung in Echtzeit bei der ersten Einzahlung.
Zeitplan: Wann EPI/Wero den Sportwettenmarkt erreicht
Joachim Schmalzl vom DSGV hat die Zeitplanung mit einem klaren Bild beschrieben: Es ist ein Marathon, kein Sprint — und Wero wächst nachhaltig und nach Plan. In Deutschland haben bisher 4,3 Millionen Menschen Wero aktiviert. Die Online-Bezahlfunktion in Shops wurde Ende 2025 gestartet.
Für Sportwetten-Anbieter ist die Integration von Wero der nächste logische Schritt — aber keiner, der automatisch passiert. Die Anbieter müssen Wero aktiv in ihre Kassensysteme integrieren, und das erfordert Entwicklungsaufwand, Zertifizierung und die Überzeugung, dass genug Kunden den Dienst nutzen werden. Stand April 2026 hat kein einziger Sportwetten-Anbieter Wero integriert.
Meine Prognose: Die ersten Sportwetten-Integrationen werden in der zweiten Jahreshälfte 2026 oder Anfang 2027 kommen. Die großen Anbieter mit internationaler Präsenz werden vorangehen, weil sie von der europäischen Reichweite profitieren. Kleinere, rein deutsche Anbieter werden abwarten und nachziehen, wenn die Nutzerzahlen es rechtfertigen.
Was den Zeitplan beschleunigen könnte: Der 2. GlüÄndStV, der voraussichtlich im Mai 2026 in Kraft tritt. Wenn die Reform den regulatorischen Rahmen für den Sportwettenmarkt verbessert und der legale Markt wieder wächst, steigt auch die Attraktivität für neue Zahlungsmethoden. Ein wachsender Markt zieht Innovationen an — ein schrumpfender stößt sie ab.
Bis dahin bleiben Trustly und Klarna die führenden „Pay by Bank“-Methoden bei Sportwetten. Für weitere Details zum aktuellen Stand empfehle ich meinen Artikel zum Wero-Giropay-Unterschied.
In welchen Ländern funktioniert Wero/EPI bereits?
Wero ist in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden verfügbar. Weitere europäische Länder planen den Beitritt. Die Nutzerbasis liegt europaweit bei 43,5 Millionen registrierten Nutzern, davon 4,3 Millionen in Deutschland. Die Funktionen variieren je nach Land — in Frankreich ist Wero bereits weiter verbreitet als in Deutschland.
Wird das EPI PayPal bei Sportwetten ersetzen?
Kurzfristig nicht. PayPal hat einen enormen Bekanntheitsvorsprung mit 95 % Markenbekanntheit in Deutschland. Langfristig könnte Wero eine ernsthafte Alternative werden, wenn die Banking-App-Integration und die Ein-/Auszahlungsfunktion überzeugen. 61 % der Deutschen sind aktuell skeptisch — die Überzeugungsarbeit liegt noch vor dem EPI.
Erstellt von der Redaktion von „Giropay Wetten“.
