Wero vs. Giropay: Warum der Nachfolger mehr kann als sein Vorgänger

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Wero vs. Giropay: Warum der Nachfolger mehr kann als sein Vorgänger
Giropay ist tot, Wero soll leben. So einfach klingt die Nachfolge — aber hinter dem Wechsel steckt weit mehr als ein Namenswechsel. Wero ist kein Giropay 2.0. Es ist ein fundamental anderes System mit europaweitem Anspruch, anderer Architektur und einem Funktionsumfang, den Giropay nie erreicht hat. Als Zahlungsexperte, der beide Systeme analysiert hat, sehe ich klare Verbesserungen — aber auch bekannte Risiken.
Giropay wurde am 31. Dezember 2024 abgeschaltet, nachdem der Marktanteil auf unter 1 % des deutschen Online-Zahlungsmarktes gefallen war. Wero, getragen vom European Payments Initiative, hat in Europa bereits 43,5 Millionen Nutzer registriert. Die Ausgangslage ist eine andere — aber die Herausforderung bleibt gleich: Nutzer müssen den Dienst nicht nur kennen, sondern auch nutzen.
Technischer Vergleich: Architektur und Funktionsweise
Giropay basierte auf bilateralen Verträgen zwischen der Paydirekt GmbH und einzelnen Banken. Jede Bank musste individuell angebunden werden — ein langsamer, kostenintensiver Prozess. Der Marktanteil von unter 1 % bei lediglich 25 Millionen Transaktionen und 1,6 Milliarden Euro Volumen in 2023 zeigt, dass dieses Modell nie die kritische Masse erreichte.
Wero setzt auf die SEPA-Instant-Payment-Infrastruktur. Statt bilaterale Verträge abzuschließen, nutzt Wero die standardisierten Echtzeit-Zahlungsschienen, die bereits in ganz Europa verfügbar sind. Das bedeutet: Jede Bank, die SEPA Instant Payment unterstützt, kann prinzipiell Wero anbieten — ohne individuellen Vertrag. Die Skalierbarkeit ist ein anderes Universum als bei Giropay.
Ein weiterer fundamentaler Unterschied: Wero ist in die Banking-Apps integriert. Kein separater Redirect auf eine externe Website, kein Login auf einer Drittanbieter-Plattform. Du öffnest deine Banking-App, bestätigst per Fingerabdruck, fertig. Giropay erforderte den Umweg über das Online-Banking im Browser — auf dem Smartphone ein umständliches Hin- und Herwechseln zwischen Apps.
Reichweite und Akzeptanz: National vs. europäisch
Giropay war ein rein deutsches Produkt. Wero ist europäisch. Das klingt nach einem Marketingslogan, hat aber konkrete Auswirkungen auf den Sportwetten-Markt.
In Deutschland haben bis Februar 2026 lediglich 4,3 Millionen Menschen Wero aktiviert. Die Markenbekanntheit ist gering — 88 % der Deutschen wussten im Oktober 2024 nicht, was Wero ist. 61 % sind skeptisch, ob Wero mit PayPal konkurrieren kann. Die Herausforderung, die Giropay nicht gemeistert hat — hohe Bekanntheit bei geringer Nutzung —, droht sich bei Wero zu wiederholen.
Der entscheidende Unterschied: Wero hat Partner in ganz Europa. Frankreich, Belgien, die Niederlande — in mehreren Ländern ist Wero bereits im Einsatz. Für Sportwetten-Anbieter, die international operieren, ist ein europäisches Zahlungssystem attraktiver als ein rein deutsches. Die Integration lohnt sich, weil sie Kunden in mehreren Märkten gleichzeitig bedient.
Trotzdem bleibt die Frage: Werden Wettanbieter Wero tatsächlich integrieren? Stand April 2026 hat kein einziger Sportwetten-Anbieter Wero als Zahlungsmethode implementiert. Die Technik ist bereit, aber die Integration erfordert Entwicklungsaufwand und Zertifizierung — und Wettanbieter investieren nur in Zahlungsmethoden, die genug Kunden nutzen. Das Henne-Ei-Problem, das schon Giropay tötete.
Ein Aspekt, der Wero helfen könnte: Die geplante Auszahlungsfunktion. Giropay konnte nur Einzahlungen verarbeiten — ein gravierender Nachteil gegenüber Trustly, das beides kann. Wenn Wero tatsächlich sowohl Ein- als auch Auszahlungen bei Sportwetten ermöglicht, hätte es ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Klarna (nur Einzahlung) und einen Gleichstand mit Trustly — aber mit dem Bonus der Banking-App-Integration. Das könnte der Hebel sein, der Wettanbieter zur Integration motiviert.
Zukunftsperspektive: Was Wero besser machen will
Oliver Maier von Verivox hat die Vision klar formuliert: Ein eigenes europäisches Bezahlverfahren, das grenzüberschreitend und online wie offline funktioniert, wäre ein großer Fortschritt. Wero soll genau das liefern — und dabei die Schwächen von Giropay vermeiden.
Auszahlungen: Giropay konnte nur einzahlen. Wero plant die Unterstützung von Ein- und Auszahlungen. Für Sportwetten-Kunden wäre das der größte Fortschritt — endlich ein einziger Kanal für beide Richtungen, direkt vom und zum Girokonto. 61 % der Deutschen sind zwar skeptisch, aber wenn Wero dieses Feature tatsächlich bei Wettanbietern liefert, könnte sich die Stimmung schnell drehen.
Online-Zahlungen: Wero rollt seit Ende 2025 die Online-Bezahlfunktion in Shops aus. Der nächste logische Schritt sind Dienstleistungsplattformen — und Sportwetten fallen in diese Kategorie. Die technische Basis ist vorhanden, die Frage ist das Tempo der Anbieterintegration.
Identifikation: Wie einst Giropay ID könnte Wero eine automatische Identitätsverifikation anbieten — direkt über die Bank, ohne manuellen Dokumentenupload. Für den regulierten Sportwetten-Markt mit seinen KYC-Pflichten wäre das ein Alleinstellungsmerkmal, das weder Trustly noch Klarna in dieser Form bieten.
Mein Fazit als Zahlungsexperte: Wero hat bessere Voraussetzungen als Giropay. Die Architektur ist skalierbarer, der Funktionsumfang breiter, die Reichweite europäisch. Aber die zentrale Lektion aus dem Giropay-Scheitern bleibt: Technologie ohne Nutzung ist wertlos. Wero muss in den nächsten zwölf Monaten den Sprung von der Banking-App in die Kasse der Wettanbieter schaffen — sonst wird es zum nächsten teuren Experiment der europäischen Banken. Alle aktuellen Details zum Status findest du in meinem Artikel über Wero bei Sportwetten.
Funktioniert Wero genauso wie Giropay?
Nein, Wero ist ein fundamental anderes System. Giropay basierte auf bilateralen Bankverträgen und konnte nur Einzahlungen verarbeiten. Wero nutzt die SEPA-Instant-Payment-Infrastruktur, ist in Banking-Apps integriert und plant die Unterstützung von Ein- und Auszahlungen. Die europäische Reichweite und die mobile Integration sind weitere Unterschiede.
Können ehemalige Giropay-Nutzer automatisch Wero verwenden?
Nicht automatisch. Wero muss separat in der Banking-App aktiviert werden. Die Giropay-Registrierung wurde mit der Abschaltung am 31. Dezember 2024 gelöscht. Die 4 Millionen registrierten Giropay-Nutzer müssen Wero eigenständig einrichten — ein Vorgang, der in der Banking-App wenige Minuten dauert.
Erstellt von der Redaktion von „Giropay Wetten“.
