Giropay bei Sportwetten: Erfahrungsbericht nach der Abschaltung

Retro-Schreibtisch mit altem Monitor und modernem Smartphone nebeneinander als Symbol fuer technologischen Wandel

Ich habe Giropay zum ersten Mal 2019 für eine Sportwetten-Einzahlung benutzt. Der Grund war denkbar einfach: Ich wollte meine Bankdaten nicht bei einem E-Wallet hinterlegen, und Giropay versprach die direkte Brücke vom Girokonto zum Wettkonto. Fünf Jahre und dutzende Transaktionen später ist der Dienst Geschichte — am 31. Dezember 2024 endgültig abgeschaltet. Zeit für einen ehrlichen Rückblick: Was konnte Giropay wirklich, wo hat es enttäuscht, und warum hat es letztlich nicht überlebt?

Dieser Erfahrungsbericht ist kein Nachruf im klassischen Sinn. Ich schreibe ihn, weil viele meiner Leser Giropay nur als Checkbox in der Kasse eines Wettanbieters kennen — ohne zu verstehen, was hinter dem Dienst steckte und warum sein Scheitern mehr über den deutschen Zahlungsmarkt erzählt als jede Statistik.

Ladevorgang...

Was Giropay in der Praxis gut konnte

Drei Dinge habe ich an Giropay geschätzt, und ich sage das ohne Nostalgie. Erstens: die Geschwindigkeit. Einzahlung auswählen, Bank auswählen, einloggen, TAN eingeben, Geld auf dem Wettkonto. Unter einer Minute, jedes Mal. In fünf Jahren habe ich keine einzige gescheiterte Transaktion erlebt. Keine Fehlermeldung, kein Timeout, kein „bitte versuchen Sie es später“. Zuverlässigkeit war Giropays stärkste Eigenschaft.

Zweitens: die Sicherheit. 19 % der deutschen Internetnutzer haben Giropay zwischen 2023 und 2024 für Online-Zahlungen genutzt — und keiner von ihnen musste seine Bankdaten einem Drittanbieter anvertrauen. Die TAN-Verifizierung lief über das eigene Online-Banking, die 256-Bit-Verschlüsselung entsprach Bankenstandard. Kein separates Passwort, kein gespeichertes Login. Für sicherheitsbewusste Spieler war das ein echtes Argument.

Drittens: die Simplizität. Keine Registrierung, kein Download, keine App. Wer ein deutsches Girokonto mit Online-Banking hatte, konnte Giropay sofort nutzen. Keine Lernkurve, keine Einrichtungszeit. In einer Branche, die ihre Kunden gern durch drei Verifizierungsschleifen und zwei App-Downloads jagt, war diese Einfachheit Gold wert. Die Bonuskompatibilität war ein weiterer Pluspunkt: Als Bankdirektüberweisungsmethode wurde Giropay bei keinem mir bekannten Wettanbieter von Bonusaktionen ausgeschlossen — anders als E-Wallets wie Skrill oder Neteller, die regelmäßig auf der Ausschlussliste landeten.

Wo Giropay Spieler enttäuschte

Und jetzt die andere Seite — die Seite, die am Ende den Ausschlag gab. Das gravierendste Problem war die fehlende Auszahlung. Giropay konnte nur in eine Richtung: vom Spieler zum Anbieter. Gewinne zurück auf das Girokonto? Unmöglich. Jeder Giropay-Nutzer brauchte für Auszahlungen einen zweiten Kanal — meistens die klassische Banküberweisung mit zwei bis vier Tagen Wartezeit. Das war in der Praxis der größte Reibungspunkt.

Die Bankabdeckung war ein weiteres Dauerthema. Obwohl theoretisch 35 Millionen Kunden Zugang haben sollten, funktionierten nicht alle Banken reibungslos. Manche kleineren Genossenschaftsbanken waren schlicht nicht angebunden, und bei einigen Sparkassen traten sporadisch technische Probleme auf. Der Marktanteil von unter 1 % im deutschen Online-Zahlungsmarkt sprach Bände — die Masse hat Giropay schlicht nicht genutzt.

Auch die Mobilfreundlichkeit ließ zu wünschen übrig. Wer auf dem Smartphone eine Sportwette platzieren und per Giropay einzahlen wollte, wurde auf die mobile Banking-Seite weitergeleitet, musste dort einloggen, zwischen Apps wechseln und die TAN bestätigen. PayPal brauchte für den gleichen Vorgang zwei Fingertipps. In einer Welt, in der über 60 % der Sportwetten vom Smartphone platziert werden, war diese Schwerfälligkeit ein ernsthafter Nachteil.

Das Brite-Payments-Team hat die Situation in seiner Marktanalyse treffend zusammengefasst: Das Ende kam nicht überraschend, da zu wenige Nutzer das Angebot tatsächlich wahrnahmen. Die kritische Masse, die für ein Zahlungssystem überlebenswichtig ist, wurde nie erreicht. Bei lediglich 25 Millionen Transaktionen und 1,6 Milliarden Euro Volumen im Jahr 2023 waren die Betriebskosten pro Transaktion zu hoch, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Erwartung vs. Realität: Marktanteil und Nutzung

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit war bei Giropay besonders dramatisch. Die Erwartungen der Gründer: 45 Millionen potenzielle Nutzer, die ihr Girokonto direkt für Online-Zahlungen verwenden. Die Realität 2018: 35 Millionen theoretisch erreichbare Kunden. Die Realität 2023: weniger als 1 % Marktanteil.

Gleichzeitig lag die Markenbekanntheit bei 78 % — Platz fünf hinter PayPal, Klarna, PAYBACK PAY und Amazon Pay. Das ist die Ironie dieses Falls: Fast jeder kannte Giropay, kaum jemand nutzte es. Die Diskrepanz zwischen Bekanntheit und Nutzung ist eine der größten, die ich in meiner Laufbahn als Zahlungsexperte gesehen habe.

Warum diese Lücke? Meine Erklärung nach sechs Jahren Marktbeobachtung: Giropay löste ein Problem, das die meisten Nutzer nicht als Problem empfanden. PayPal funktionierte, Kreditkarten funktionierten, Sofortüberweisung funktionierte. Giropay bot keinen erkennbaren Mehrwert gegenüber diesen etablierten Alternativen — und „ähnlich gut“ reicht nicht, um Nutzungsgewohnheiten zu ändern. Der Zahlungsmarkt belohnt nicht die beste Technologie, sondern die größte Bequemlichkeit. Und bequem war PayPal mit seiner App eben einen Tick mehr als Giropay mit dem Umweg über das Online-Banking.

Die 4 Millionen registrierten Nutzer, die Kündigungsschreiben erhielten, waren am Ende eine überschaubare Zahl für einen Dienst, der die gesamte deutsche Bankenlandschaft hinter sich hatte. Im Sportwetten-Bereich war die Nutzung sogar noch geringer: Ich schätze, dass Giropay bei den meisten lizenzierten Wettanbietern weniger als 5 % aller Einzahlungen ausmachte — ein marginaler Anteil, der nach der Abschaltung schnell durch Trustly und Klarna aufgefangen wurde.

Die Lehre für den Nachfolger Wero ist klar: Technische Infrastruktur allein schafft keine Nutzung. Ohne erkennbaren Mehrwert und aggressive Vermarktung wird auch Wero den gleichen Weg gehen. Joachim Schmalzl vom DSGV sagt, Wero sei ein Marathon — hoffen wir, dass die Läufer diesmal die Strecke kennen. Mit bisher nur 4,3 Millionen aktivierten Nutzern in Deutschland bei gleichzeitig 88 % Unbekanntheit in der Bevölkerung steht Wero vor einer ähnlichen Herausforderung wie einst Giropay.

Für alle, die die Chronologie der Giropay-Abschaltung im Detail nachvollziehen möchten, empfehle ich meinen Artikel zu Giropay eingestellt bei Sportwetten.

Warum haben relativ wenige Sportwetten-Kunden Giropay genutzt?

Trotz 78 % Markenbekanntheit lag der Marktanteil von Giropay unter 1 % im deutschen Online-Zahlungsmarkt. Der Hauptgrund: Giropay bot keinen erkennbaren Mehrwert gegenüber etablierten Alternativen wie PayPal oder Klarna. Die fehlende Auszahlungsfunktion und die eingeschränkte Bankabdeckung waren zusätzliche Hindernisse.

Gab es häufige Probleme bei der Giropay-Einzahlung?

Technisch war Giropay zuverlässig — gescheiterte Transaktionen waren selten. Die häufigsten Probleme lagen bei der Bankanbindung: Nicht alle kleineren Banken und Genossenschaftsinstitute unterstützten Giropay vollständig. Sporadische Verbindungsprobleme einzelner Sparkassen kamen vor, waren aber nicht systematisch.

Erstellt von der Redaktion von „Giropay Wetten“.