Giropay eingestellt: Warum der Zahlungsdienst für Sportwetten nicht mehr existiert

Am 31. Dezember 2024 ging eine Ära zu Ende — und die meisten Sportwetten-Kunden haben es erst Wochen später bemerkt. Ich erinnere mich noch genau an die Nachrichten in diversen Foren Anfang Januar 2025: „Warum finde ich Giropay nicht mehr in der Kasse?“ Die Paydirekt GmbH hatte den Dienst abgeschaltet, endgültig und ohne Hintertür. Was jahrelang als bequeme Brücke zwischen deutschem Girokonto und Wettkonto funktionierte, war über Nacht Geschichte.
Die offizielle Mitteilung der Paydirekt GmbH ließ wenig Interpretationsspielraum: Der Dienst wird am 31. Dezember 2024 beendet. Rund 4 Millionen registrierte Nutzer erhielten Kündigungsschreiben — viele davon aktive Sportwetten-Kunden, die sich plötzlich nach einer neuen Einzahlungsmethode umsehen mussten. Dabei kam die Abschaltung für Branchenkenner alles andere als überraschend. Der Marktanteil von Paydirekt und Giropay lag zuletzt unter 1 % des deutschen Online-Zahlungsmarktes — ein Wert, der die jahrelangen Investitionen der deutschen Banken kaum rechtfertigte.
Ich beobachte den deutschen Zahlungsmarkt im Sportwetten-Bereich seit sechs Jahren, und die Abschaltung von Giropay markiert einen echten Wendepunkt. Nicht weil der Dienst so dominant war — das war er nie —, sondern weil er für eine bestimmte Gruppe von Spielern die einzige Brücke zwischen Girokonto und Wettkonto darstellte. Diese Brücke ist jetzt weg.
Für Sportwetten-Fans bedeutet das: Wer bisher auf die direkte Banküberweisung via Giropay gesetzt hat, braucht 2026 einen neuen Plan. Und genau darum geht es in diesem Artikel — nicht um Nostalgie, sondern um Fakten, Chronologie und die konkreten Folgen für dein Wettkonto.
Ladevorgang...
Chronologie der Giropay-Abschaltung
Die Geschichte von Giropay liest sich wie ein Lehrbuch über verpasste Chancen im deutschen Fintech. 2006 gegründet, getragen von Sparkassen, Volksbanken und der Postbank, sollte Giropay die deutsche Antwort auf PayPal werden. Auf dem Papier klang alles überzeugend: direkte Anbindung ans Online-Banking, TAN-gesicherte Zahlungen, keine separate Registrierung. In der Praxis blieb die Nutzung weit hinter den Erwartungen zurück.
2023 verarbeitete Giropay gerade einmal rund 25 Millionen Transaktionen bei einem Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: PayPal wickelte allein in Deutschland ein Vielfaches davon ab. Die Markenbekanntheit von 78 % — gemessen an den Statista Brand KPIs — täuschte über die reale Nutzung hinweg. Kennen und Nutzen sind eben zwei verschiedene Dinge. Ursprünglich sollten 45 Millionen Kunden Zugang zu Giropay haben, bis 2018 schrumpfte diese Zahl auf rund 35 Millionen — und selbst von denen nutzten die wenigsten den Dienst regelmäßig.
2020 folgte die Fusion mit Paydirekt und Kwitt unter dem Dach der Paydirekt GmbH. Die Idee: Kräfte bündeln, ein einheitliches Zahlungssystem schaffen. Doch statt eines Neustarts begann ein langsames Auslaufen. Die deutschen Banken richteten ihren Blick bereits auf ein größeres Projekt — das European Payments Initiative und dessen Produkt Wero.
Im Herbst 2024 kam dann die offizielle Ankündigung: Giropay wird zum 31. Dezember 2024 eingestellt. Brite Payments fasste die Stimmung der Branche treffend zusammen — das Ende kam für Experten nicht überraschend, die geringe Nutzerakzeptanz war seit Jahren ein bekanntes Problem. Für die 4 Millionen registrierten Nutzer war es trotzdem ein kalter Schnitt.
Auswirkungen auf bestehende Wettkonten
Eine Frage, die mir in den ersten Wochen nach der Abschaltung besonders häufig begegnet ist: „Was passiert mit meinem Wettkonto?“ Die kurze Antwort: gar nichts. Dein Wettkonto existiert unabhängig von der Einzahlungsmethode. Guthaben, offene Wetten, Bonusbedingungen — alles bleibt unverändert.
Was sich geändert hat, ist ausschließlich der Weg, wie Geld auf das Konto kommt. Giropay war immer nur ein Einzahlungskanal. Auszahlungen liefen ohnehin nie über Giropay, sondern per klassischer Banküberweisung auf das Girokonto. Diese Auszahlungswege funktionieren weiterhin exakt wie vorher.
Offene Transaktionen, die vor dem 31. Dezember 2024 initiiert wurden, hat die Paydirekt GmbH laut eigenen Angaben noch abgewickelt. Wer am 30. Dezember eine Einzahlung angestoßen hat, musste sich keine Sorgen machen — die Transaktion wurde noch verarbeitet. Ab dem 1. Januar 2025 war der Zahlungskanal dann vollständig geschlossen, ohne Übergangsphase für neue Transaktionen.
Besonders wichtig für aktive Sportwetten-Spieler: Die bei Wettanbietern hinterlegten Bankdaten wurden nicht gelöscht. Wer sein Girokonto als Auszahlungsziel angegeben hatte, kann weiterhin auf dieses Konto auszahlen lassen. Die Verknüpfung bestand nie über Giropay, sondern direkt zwischen Wettkonto und IBAN.
Ein Punkt, der in den Diskussionen oft untergeht: Auch laufende Bonusaktionen wurden durch die Giropay-Abschaltung nicht ungültig. Wer einen Willkommensbonus per Giropay-Einzahlung aktiviert hatte, behielt sämtliche Bonusbedingungen bei. Die Umsatzanforderungen liefen weiter, unabhängig davon, ob die nächste Einzahlung dann per Trustly oder Kreditkarte erfolgte. Die Zahlungsmethode der Ersteinzahlung bleibt für die Bonusbedingungen fixiert — nicht der spätere Wechsel.
Übergangsphase: Welche Zahlungswege sofort funktionieren
Ich habe in den Wochen nach der Giropay-Abschaltung systematisch getestet, welche Einzahlungsmethoden bei den gängigen lizenzierten Wettanbietern sofort und ohne Umwege funktionieren. Das Ergebnis ist erfreulich: Kein Sportwetten-Kunde steht vor verschlossenen Türen.
Die naheliegendste Alternative für ehemalige Giropay-Nutzer ist Trustly. Der schwedische Zahlungsdienstleister funktioniert nach dem gleichen Prinzip — Direktzahlung vom Girokonto über das Online-Banking der eigenen Bank. Kein separates Konto nötig, keine zusätzliche Registrierung. In Deutschland nutzen bereits 37,3 % der Verbraucher solche „Pay by Bank“-Methoden mindestens einmal im Monat.
Klarna mit der Sofortüberweisung ist eine weitere Option, die für Giropay-Gewohnte kaum Umstellung erfordert. Login über die eigene Bank, TAN-Bestätigung, sofortige Gutschrift auf dem Wettkonto. Der Ablauf ist praktisch identisch mit dem, was man von Giropay kannte.
Daneben stehen natürlich die klassischen Wege offen: Kreditkarten von Visa und Mastercard, PayPal, Paysafecard für alle, die ohne Bankdaten einzahlen möchten, und die gute alte SEPA-Banküberweisung — letztere allerdings mit dem bekannten Nachteil von ein bis drei Werktagen Bearbeitungszeit. Wer auf Echtzeit-Gutschriften angewiesen ist, fährt mit Trustly oder Klarna deutlich besser.
Und dann gibt es natürlich noch Wero, den offiziellen Nachfolger von Giropay. Stand April 2026 ist Wero allerdings bei keinem Sportwetten-Anbieter als Einzahlungsmethode integriert. Das wird sich ändern — in Deutschland haben bisher lediglich 4,3 Millionen Menschen Wero überhaupt aktiviert —, aber für den Moment bleibt Wero eine Zukunftsoption, keine Gegenwartslösung.
Wer sich einen detaillierten Vergleich aller aktuellen Einzahlungsmethoden wünscht, findet in meinem Artikel zu Giropay-Alternativen für Sportwetten eine vollständige Gegenüberstellung mit Geschwindigkeiten, Gebühren und Limits.
Mein persönlicher Rat nach sechs Jahren in diesem Bereich: Richte dir am besten zwei Einzahlungswege ein — einen schnellen wie Trustly für spontane Wetten und einen als Backup. Sich nur auf eine einzige Methode zu verlassen, war schon bei Giropay keine gute Idee, wie sich jetzt gezeigt hat. Diversifikation gilt nicht nur für Wettstrategien, sondern auch für Zahlungswege.
Was passiert mit meinem Wettkonto nach der Giropay-Abschaltung?
Dein Wettkonto bleibt vollständig erhalten. Guthaben, offene Wetten und Bonusbedingungen sind nicht betroffen. Nur der Einzahlungsweg über Giropay steht nicht mehr zur Verfügung — du musst lediglich eine alternative Zahlungsmethode für künftige Einzahlungen wählen.
Wurden offene Giropay-Transaktionen nach dem 31.12.2024 noch verarbeitet?
Ja, Transaktionen, die vor dem 31. Dezember 2024 initiiert wurden, hat die Paydirekt GmbH noch vollständig abgewickelt. Ab dem 1. Januar 2025 konnten keine neuen Giropay-Zahlungen mehr angestoßen werden.
Erstellt von der Redaktion von „Giropay Wetten“.
